Di 29.09.
09:00
Kino
Arsenal
zu dem KalenderUnter dem Titel „Post-Memory, Post-Archive: Nigerian Film History (1960s–1980s)“ organisierte das Goethe-Institut Nigeria 2024 und 2025 ein Stipendienprogramm, das in Zusammenarbeit mit der Nigerian Film Corporation (NFA) und dem zugehörigen National Film, Video and Sound Archive (NFVSA) in Jos konzipiert wurde. Das Programm ermöglichte einer Gruppe nigerianischer Filmemacher*innen und Kulturschaffender einen Zugang zu audiovisuellen Sammlungen, die den meisten von ihnen zuvor unbekannt waren. Den Auftakt bildete ein fünftägiger Workshop in Lagos unter der Leitung des Filmemachers und Kritikers Didi Cheeka, gefolgt von Besuchen des NFVSA in Jos sowie des Nationalen Archivs, dem Archive of Sound and Vision des Institute of African Studies und dem New Culture Studios in Ibadan. Die Begleitung der Projekte übernahmen Didi Cheeka, der Filmregisseur Abba Makama und Professor Onookome Okome.
Von den zwölf geförderten Projekten wurden elf Filme fertiggestellt und im August 2025 im Cineplex der Nigerian Film Corporation in Lagos uraufgeführt. Anschließend tourte das Programm durch sieben Städte in Nigeria. Die Filme beruhen auf größtenteils nicht katalogisiertem Bild- und Tonmaterial. Der Zustand des analogen Archivmaterials weist deutliche Zeichen der Alterung auf und wurde unrestauriert in den Filmen verwendet.
Die Filme werden über den gesamten Festivalzeitraum hinweg ganztägig auf Monitoren im kleinen Foyer des Kino Arsenal zu sehen sein.
A BODY IN METAPHOR, Amanda Madumere, Nigeria 2025, 15 Min.
Ein experimenteller Dokumentarfilm, der die visuelle Geschichte des afrikanischen Kinos hinterfragt und untersucht, wie dieses den weiblichen Körper als Symbol, Ort und Schweigen inszeniert hat. Durch die Verbindung von nigerianischem Archivmaterial, einem kritischen Essay und performativen Bewegungen reflektiert der Film über die Politik von Schönheit, Macht und Blick.
BETWEEN SHADOWS AND LIGHT, Babatunde Tribe & Ogunwale Oladapo, Nigeria 2025, 54 Min.
Diese Dokumentation beleuchtet die Entwicklung der Darstellung queerer Menschen in Nollywood – von schädlichen Karikaturen und entmenschlichenden Stereotypen hin zu nuancierten, einfühlsamen Porträts – und untersucht, wie kulturelle, politische und branchenspezifische Faktoren die Narrative über Identität in Nigeria prägen.
COMMON GROUNDS, Philip Fagbeyiro, Nigeria 2025, 38 Min.
Von vorkolonialen Familienanwesen bis hin zum pulsierenden Rhythmus moderner Straßenmärkte begibt sich dieser Dokumentarfilm auf eine Reise durch die Art und Weise, wie die Bewohner von Lagos ihr Lebensumfeld neu gestalten. Mit einfühlsamen Betrachtungen bewährter Traditionen zeigt der Film auf, wie die Weisheit der Vergangenheit die moderne Gestaltung des öffentlichen Raums prägen kann, und liefert wertvolle Impulse für die künftige Stadtentwicklung von Lagos.
FESTAC ’77, EXPLORATION OF HERITAGE, Yusuf Ishaya, Nigeria 2025, 20 Min.
Im Jahr 1977 versammelten sich Künstler, Denker*innen, Schriftsteller*innen, Musiker*innen, Dichter *innen und Performer*innen aus ganz Afrika und der Diaspora in Lagos und Kaduna, um schwarze Identität, Einheit und Kreativität zu feiern. Das Festival trug den Namen „Second World Black and African Festival of Arts and Culture“ und lud 16.000 Künstler*innen, Performer*innen und Intellektuelle dazu ein, die reiche kulturelle, künstlerische und historische Realität der Schwarzen zu präsentieren. Dieser Film lässt einige dieser Darbietungen wieder lebendig werden – mit all der Energie, den Stimmen, der Seele und dem Geist eines Volkes, das zusammenkam, um die Rückgewinnung seiner Identität zu feiern. Es geht um Kunst, Stolz und Erinnerung.
KEHINSOKUN, Midé Gbádégẹṣin, Nigeria 2025, 25 Min.
KEHINSOKUN ist ein Yoruba-„Photoplay“-Drama über einen sehr wohlhabenden Mann, der zugleich bewaffneter Räuber ist. Der Film bezieht sich auf Atọ́ka, die Yoruba-„Photoplay“-Zeitschrift, das die Medienlandschaft im Südwesten von den 1960er bis in die 1980er Jahre dominierte. Das Filmprojekt zielt darauf ab, die Zeitschrift Atọ́ka in Animationsfilme zu übertragen, wobei der Schwerpunkt auf Theaterstücken liegt, die von Hubert Ogunde und Duro Ladipo redigiert wurden.
MEMOIRS OF THE SOIL, Eieke Bolaji, Nigeria 2025, 18 Min.
MEMOIRS OF THE SOIL ist ein Experimentalfilm, der sich zwischen dokumentarischer Archivarbeit und Poesie bewegt. Er widmet sich erneut vergessenen landwirtschaftlichen Geschichten Nigerias und setzt dabei Fragmente der Kakao-Wirtschaft, der industriellen Expansion sowie des Übergangs des Landes in die Abhängigkeit vom Erdöl zusammen.
NO LET THEM DIE, Ogochukwu Umeadi, Nigeria 2025, 30 Min.
In einem Land, in dem Bibliotheken zerfallen und Filmrollen verrotten, begibt sich dieser experimentelle Dokumentarfilm auf eine Reise durch Nigeria, um dessen lebendige Archive aufzuspüren: mündlich überlieferte Geschichten, in Ritualen verankerte Erinnerungen und eine Geschichte, die im Körper selbst fortlebt. Der Film hinterfragt das Verständnis von Archiven und vertritt die These, dass die Seele Nigerias im Alltag der Menschen weiterlebt – und nicht bloß in vernachlässigten Institutionen.
OUR BODIES, NIGERIA’S GHOSTS, Rose Abba, Nigeria 2025, 20 Min.
Was geschieht, wenn der Körper eines Historikers sich an das erinnert, was Institutionen und formelle Archive vergessen? Anhand von Dokumentaraufnahmen, Performances und neu bearbeitetem Archivmaterial untersucht dieser Film, wie der Körper die Sprache von Macht, Gemeinschaft und Überleben spricht.
PALIMPSEST OF HER FLESH, Ebimoboere Ibinabo Dan-Asisah, Nigeria 2025, 12 Min.
Ein spekulativer Experimentalfilm, der das Frausein aus einer individualistischen, fragmentierten Perspektive erkundet. Erzählt aus vier verschiedenen Stimmen – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Ewigkeit – verwebt der Film poetische Erzählungen, Archiv- und Gegenwartsaufnahmen sowie vielschichtige Klanglandschaften zu einer hypnotischen Meditation über Erinnerung, Stille, Werden und Widerstand. Verwurzelt in der spirituellen Erzähltradition der Yoruba und den melodischen Rhythmen dominikanischer Gesänge, navigiert das Werk durch persönliche und kollektive Geschichten, die sich in den weiblichen Körper eingeschrieben haben, und begreift diesen zugleich als Gefäß und als Archiv.
RE:CONSTRICTIONS, Ese Emmanuel, USA/2025, 6 Min.
1977 fand im nigerianischen Bundesstaat Rivers das „Odum“-Festival – heute weitgehend in Vergessenheit geraten – als Satellitenveranstaltung der FESTAC statt. Die Geschichte des Festivals ist mit der Erfahrung zweier Fischer aus Okrika verknüpft, die im Fluss den Tanz von Boa-Constrictor-Schlangen beobachteten und diese Begegnung in eine mechanische Rekonstruktion übersetzten: eine Maskerade der Uferzone, die gleichermaßen dem Land wie dem Wasser zugehörig ist. RE:CONSTRICTIONS schlägt einen Ansatz vor, das Archiv als einen rekonstruktiven Prozess zu lesen – geprägt von Schrägheiten, disparaten Spuren und verschleierten Erinnerungen.
REFLECTION OF MEMORY: PRESERVING NIGERIAN CINEMA, Abiodun Osho, Nigeria 2025, 20 Min.
REFLECTON OF MEMORY ist ein poetischer Dokumentarfilm, der das Zusammenspiel von Kino, Erinnerung und nationaler Identität in Nigeria erforscht. Der Film begibt sich auf eine Reise durch vergessene Archive, verschwiegene Traumata und das Erbe des staatlich verordneten Vergessens und spürt dabei der Kraft des nigerianischen Filmerbes nach, jenes wiederherzustellen, was die Geschichte zu tilgen versuchte.
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